Actinomyceten im Innenraum - Stand der gesundheitlichen Bewertung
Viele epidemiologischen Studien beschäftigen sich damit nachzuweisen, welche gesundheitlichen Wirkungen auf Feuchte und verschimmelte Wohnungen und Büros zurückzuführen sind. Bisher konnte aber noch kein gesicherter Zusammenhang zwischen einer vorliegenden Schimmelpilzbelastung und konkreten Krankheitsbildern nachgewiesen werden. Unbestritten ist, dass immer wieder bei Personen, die in feuchten oder verschimmelten Innenräumen leben oder arbeiten, massive Beschwerden gesundheitlicher Art auftreten. Diese sind auch mit ganz hoher Wahrscheinlichkeit auf die Innenraumbelastung zurückzuführen. Stellt der Arzt dann aber seine Diagnose, ist oft nicht eindeutig, ob Schimmel oder Feuchte im Innenraum wirklich die konkrete Ursache für die gesundheitlichen Beschwerden sind.
Jedem Schimmelpilz und Bakterien werden auf feuchten Bauteilen in Gebäuden vor allen auch Actinomyceten häufig nachgewiesen. Viele Gutachter analysieren derzeit auch oft Actinoymceten auf Innenraummaterialien und diese mikrobielle Belastung auf Oberflächen im Raum wird dann häufig mit gesundheitlichen Beschwerden in Verbindung gebracht. Derzeit gibt es aber weder standardisierte Nachweismethoden für Actinomyceten noch Bewertungskriterien zur gesundheitlichen Bewertung.Gerade die Bewertungsmöglichkeiten fehlen komplett.
Um das Wissen um Actinomyceten weiter voranzutreiben, wurde ein "Verbundprojekt Actinomyceten" gegründet. Daran nehmen teil:
1. Justus Liebig Universität, Institut für angewandete Mikrobiologie, Giessen
2. Labor Umweltmykologie Dr. Dill und Dr. Trautmann GbR
3. Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg
4. Institut Dr. Lorenz, Düsseldorf
5. Leibniz Institut für Naturstoffforschung und Infektionsbiologie, Hans Knöll Institut, Jena
6. Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Klinikumn RWTH Aachen
Die Aufgabenstellung dieses Verbundprojektes ist es vornehmlich, sich um Standardisierung der Nachweismethoden sowie um eine Vereinheitlichung bzw. Schaffung gesundheitlicher Beurteilungsgrundlagen zu kümmern. Das Verbundprojekt wurde 2007 ins Leben gerufen.
Nach derzeitigem Wissensstand sind die Actinomyceten ähnlich wie Schimmelpilze als Indikatoren für Feuchteschäden geeignet. Die allgemeine Aussage, dass mit Feuchte, Schimmel und Actinomyceten befallene Räume der Gesundheit nicht zuträglich sind, kann aufrecht erhalten werden. Eine individuelle Beurteilung gesundheitlicher Gefährdungspotenziale durch Schimmelpilze setzt immer eine differenzialdiagnostische Anamnese durch einen spezialisierten Facharzt für Umweltmedizin voraus. Bei Actinomyceten kann diese individuelle Beurteilung bislang noch nicht erfolgen, da das Wissen um diese Bakterien noch nicht ausreichend groß ist. Im Gegensatz zu Schimmel gibt es für Actinomyceten keine Beurteilungskriterien wie z. B. für Schimmel nach den Kriterien des Schimmelleitfadens. Für Schimmel können viele Labors auffällige und unauffällige Mengen beurteilen. Für Actinomyceten ist dies bislang nicht möglich, da die Datenlage viel zu gering ist.




