Chlornaphthalin
Chlornaphthaline waren u.a. Bestandteile des Holzschutzmittels Basileum SP 70. Produktion und Lieferung erfolgten durch die Bayer-Desowag etwa in den Jahren von 1970 - 1980/81. Im Gegensatz zu anderen Holzschutzmitteln erfolgte der Einsatz fast ausschließlich im gewerblichen Bereich zur Herstellung von Holzwerkstoffen im Leimzumischverfahren mit Phenol-Formaldehyd-Harzen als Leim- bzw. Kleberkomponenten. Die so hergestellten Produkte waren feuchtebeständige Bauspanplatten mit der Bezeichnung V100G und Baufurnierplatten (Baufurniersperrholz) mit der Bezeichnung AW100G
Die Verwendung solcher Platten erfolgte im Innen- und Außenbereich. Im Innenbereich kamen sie bevorzugt als Fußbodenplatten in Containern und sog. Pavillons zur Anwendung. Dabei sollten die Platten nach Angabe der Hersteller hinterlüftet sein, um Feuchtigkeitsprobleme zu vermeiden. In geringem Ausmass erfolgte im Innenbereich auch eine Verwendung als Wand- und Deckenplatten. Im Außenbereich wurden die genannten Bauelemente als Dachplatten und für Außenschalungen eingesetzt.
Die Rezeptur des verwendeten Holzschutzes Basileum SP70 mit Chlornaphtalin besteht im wesentlichen aus technischem Monochlornaphthalin (MCN, „Chloröl“) und Tributylzinnoxid. Dieses ist getrennt zur MCN- Problematik besonders zu beachten. Im Chloröl (Tabelle 1) sind aufgrund des Herstellungsprozesses (Chlorierung von Naphthalin mit anschließender Fraktionierung durch Destillation) auch höher chlorierte Naphthaline enthalten, wobei deren Kongenerenzusammensetzung im einzelnen nicht bekannt ist (Tabelle 2).
Die Raumluftbelastung durch Chlornaphthaline kommt durch das Ausgasen aus den großflächigen Bauelementen zustande, wobei aufgrund der höheren Dampfdrücke insbesondere die leichtflüchtigen Monochlor-Verbindungen gefunden werden mit 1-Chlornaphthalin als Hauptkomponente. Mehrere Messungen in Fertigbauten (Containern) von Schulen und Kindergärten ergaben folgendes Belastungsprofil:
| Zusammensetzung Basileum SP 70 | Anteile |
| Technisches Mono-CN (Chloröl) | ca. 80 % |
| Tributylzinnoxid (TBTO) | ca. 4 % |
| Aromatische KW-Stoffe als Lösungsmittel (Sdp. um 200° C) | ca. 16 % |
| Zusammensetzung Technisches Mono-CN | Anteile |
| Mono-CNs (1- und 2- Monochlornaphthalin) | ca. 80 % |
| Di - Chlornaphthaline | ca. 15 % |
| Tri- Chlornaphthaline | 0,03 % |
| Naphthalin | ca. 5 % |
Bei Belastungen sind die in einem Gebäude gemessenen Konzentrationen dabei abhängig von:
- Feuchte bzw. Schimmelbefall
- Konstruktionsmängeln
- Temperatur und Lüftung
Eine Konzentrationsabhängigkeit insbesondere von Feuchteschäden im Zusammenhang mit Konstruktionsfehlern muss beachtet werden, da beim Verwittern der durchfeuchteten Spanplatten erhebliche Mengen an Chiornaphthalinen freigesetzt werden. Die Konzentrationen bei Feuchteschäden liegen etwa 5 - 10-fach höher als in vergleichbaren trockenen, ordnungsgemäß hinterlüfteten Räumen.
Die Symptome bei einer Chlornaphthalin-Raumluftbelastung lassen sich wie angegeben in zwei Gruppen einteilen:
- 1. Geruchsbelästigung
- Typischer, muffig-süßlicher dem Naphthalin vergleichbarer Geruch
- "anhaftend", d.h. Textilien nehmen den Geruch an
- 2. Belastende Wirkungen
- Schleimhautreizung (Nasen-/Rachenraum)
- Augenbrennen
- Hautreizung
- Kopfschmerzen
Die Chlornaphthalin-Problematik ist aber möglicherweise weniger eine toxikologische als eine Geruchsproblematik. Einhergehend sind in vielen Fällen Baumängel bzw. Feuchte- oder Schimmelschäden.




