Milben - Ökologie
Moderne Heizsysteme, die Mehrfachverglasung der Fenster, energiesparende Wohnräume mit geringem Luftaustausch und unser Bedürfnis, häufiger bzw. täglich zu duschen führen zu einer Luftfeuchteansammlung und einer gleichbleibende Wärme, d.h. zu einem "milbenfreundlichen Wohnklima". Verstärkt wird dies noch durch die zunehmende Haustierhaltung und die Ausstattung der Wohnungen mit vielen Teppichen/Teppichböden und Polstermöbeln.
Zum Problem werden die allergenbelasteten Ausscheidungen. Die Kotballen der Milben- die nach dem Austrocknen zerfallen , lagern sich im Hausstaub ab und werden eingeatmet. Die Folgen sind meist rhinitische Beschwerden (Naselaufen), Juckreiz, Niesanfälle und Dauerschnupfen. Auch asthmatische Beschwerden können ihre Ursache in einer Milbenallergie haben. Neurodermitische Hautreaktionen werden von einigen Ärzten auch auf Milben zurückgeführt.
Hausstaub aus textilen Gegenständen wie Matratzen, Kleidung und Polstergarnituren enthält neben organischen und anorganischen Materialien, als wesentlichen Anteil menschliche Hautschuppen, die täglich in einer Menge von etwa 1g pro Person abgegeben werden Bei Untersuchungen brasilianischer Kinder wurde festgestellt, dass 1g ihres Kopfstaubes (nach vorheriger Wäsche) durchschnittlich 800 Milben enthielt.
Die Hausstaubmilben sind augenlose, achtbeinige Spinnentiere mit wenig entwickeltem Atemtrakt und ernähren sich vorwiegend von Hautschuppen aber auch von Schimmelpilzen. Ihre Größe liegt bei 250-400µm Größe, die Männchen sind etwas kleiner als die Weibchen. Sie haben eine weißliche Färbung und sind nur auf dunklem Hintergrund sichtbar. Nach ihrem Volumen beurteilt sind sie ein “gehender Magen- und Atemtrakt”. Sie können fetthaltige Epithelien nicht direkt verdauen. Bei der Ernährung sind sie deshalb auf die Symbiose mit bestimmten Arten von Schimmelpilzen angewiesen. Diese bewerkstelligen eine Vorverdauung der fetthaltigen und keratinösen Hautschuppen. Erst dann können die Milben die angedaute Hautschuppe verwerten.
Da Milben nicht trinken können, sind sie auf eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit angewiesen. Das ist in unseren Breiten und in den gut isolierten, aber häufig schlecht gelüfteten Wohnungen kein Problem. Das Wachstumsoptimum liegt bei 20°-25° C und ca. 70-80 % Luftfeuchtigkeit.
Milbenbestandteile können als Allergene sensibilisierend wirken. Die Hauptallergene der Milben sind jedoch im Kot der Tiere enthalten. Die Kotballen besitzen eine Größe von etwa 10-40µm. Durch die Bewegungen des Schläfers werden die Kotballen in kleinere Fraktionen zerrieben und können nach dem Austrocknen als Feinstaub in die Luft gelangen. Somit erfolgt eine partikelgebundene Allergenverteilung in den ganzen Schlafbereich. Zur Größenverteilung des allergenen Staubes liegen nur wenige, aber uneinheitliche Untersuchungsergebnisse vor. Man geht davon aus, dass im wesentlichen Partikel vorliegen, die eine Größe von mehr als 1µm aufweisen.
Als “Sensibilisierungsschwelle” werden 2 µg Milbenallergen pro Gramm Staub angesehen, bei mehr als 10 µg/g Staub steigt bei Asthmatikern das Risiko einer akuten Atemnot an.
Milbentests können u.U. selbst durchgeführt werden, indem in der Apotheke oder bei biomess ein spezifischer Milbentest erworben wird (z.B. acarex-Test). Dieser Test wirkt indirekt und weist den Stoff Guanin nach, der ebenfalls im Milbenkot enthalten ist. Weitere Auskünfte zu Milbentests gibt Ihnen Ihr Hausarzt, Allergologe oder Ihr Apotheker.
Ein wirklicher Test auf Milbenallergen ist die direkte Bestimmung und Quantifizierung aus dem Hausstaub. (siehe AllergenCheck)




