Mesophile und thermotolerante Pilze
Schimmelpilze sind allgegenwärtig (ubiquitär) vorkommende Pilzarten, die bei erhöhtem Auftreten deutliche gesundheitliche Beeinträchtigungen auslösen können. Viele Bewohner von mit Schimmelpilzen belasteten Räumen leiden häufig unter Kopfschmerzen, Augenbrennen und Erkältungssymptomen. Bei entsprechender Neigung, die im Einzelfall nicht vorhersehbar ist, kann es bei langandauernden Einatmen von Schimmelpilz- Sporen zur Ausbildung einer Allergie kommen. Diese körperliche Abwehrreaktion kann bis zu einem Bronchialasthma führen und bleibende Schäden an den Atmungsorganen verursachen.
Thermotolerante Arten besitzen überdies noch das Potential einer invasiven Schimmelpilzinfektion. Dies tritt aber in der Regel nur bei immunsupprimierten Personen auf. Als thermotolerante Arten kommen vor allem die Aspergillen in Betracht.
Sporenkonzentrationsmessungen können als quantifizierende Verfahren die Menge der Schimmelpilzsporen in der Raumluft ermitteln, indem mit geeigneten Geräten ein definiertes Luftvolumen gesammelt wird und die in diesem Luftvolumen enthaltenen Sporen der Pilze auf Nährböden abgeschieden werden. Die Konzentrationshöhe von Schimmelpilzsporen ist stark von Jahreszeit und Witterung abhängig. In Deutschland ist mit einer erhöhten Belastung der Außenluft in den wärmeren Monaten zu rechnen, während in den Monaten März/ April die geringsten Werte ermittelt werden.
Die meisten in unserer Umgebungsluft und aus Schimmelbesatzstellen stammenden Pilzarten entwickeln sich bei Anzüchtungen am besten bei ca. 20-22°C. Nach ca. 5 Tagen sind dann Kolonien auf den verwendeten Nährböden zu sehen, die ausgezählt werden. Die bei dieser Temperatur am besten wachsenden Schimmelpilzarten bezeichnet man als mesophile Arten ( in einem mittleren Temperaturbereich anwachsend).
Einige Arten, die gesundheitliche Relevanz haben, gehen aber bei 20-22°C nicht gut oder gar nicht an, sondern erst bei erhöhter Temperatur von 37°- 40°C. Auch benötigen sie meist etwas länger zum Ausbilden der Kolonien bei Anzucht. Bei derartigen Schimmelpilzarten spricht man von "thermotoleranten Arten". Aspergillen (Aspergillus species oder Aspergillus spp.) gehören zu dieser Art Schimmelpilze. Ihnen kommt besondere Relevanz zu, da sie das Potential besitzen, sich im Körpergewebe bei 37°C Körperttemperatur anzusiedeln und zu vermehren (sog. Invasive Aspergillose). Dieses Krankheitsbild setzt aber auch eine Abwehrschwäche (Immunsupprimierung) voraus.
Sporenkonzentrationsmessungen werden deshalb so durchgeführt, daß man zwei oder mehr Nährböden am Meßort aufzieht und diese unterschiedlich bei 20°C und 37°C bebrütet (mesophile bzw. thermotolerante Bebrütung). Häufig vorkommende Vertreter der mesophilen Art sind Cladosporium spp. und Penicillium spp., die auch fast immmer in der Außenluft nachgewiesen werden können. Da die Außenluftbelastung mit Schimmelpilzsporen stark schwanken kann, wird bei jeder (seriös durchgeführten) Probenahme auch eine Außenluftprobe gezogen, um einen Vergleichsmaßstab für eine differenzierte Bewertung der Meßergebnisse zu haben.
Als Anzuchtmedien (Nährsubstrate) kommen für Schimmelpilze die nachfolgend genannten Medien infrage:
- Dichloran- Glycerinagar (DG18, u.a. in der Biostoffverordnung genannt)
- Malzextraktagar (MEA)
- Rosa Bengalagar mit Streptomycin als Bakterienwuchsinhibitor
- Sabouraud-Glucose-Agar




